Besuch der Projekte vor Ort

24.02.2017 21:02

Letzten Monat haben drei unserer Vorstandsmitglieder unsere Projekte in Kambodscha besucht. Hier schildern sie ihre Eindrücke.

Bruno Gschwind:
Es ist schon spät am Abend. Ich sitze auf dem Boden des offenen Schulraums. Hier haben Frauen vom Dorf das Essen gebracht. Es ist sehr einfach, doch wir haben Geschirr und einen Löffel. Für mich gibt es täglich Gemüse, zum Frühstück, zum Mittagessen und dann auch noch zum Nachtessen. Sie sind es nicht gewohnt vegetarisch zu kochen und denken, ein bisschen Fleisch wäre doch wirklich keine Sünde. Ein bisschen Fisch. Einfach nur wenig. Wenn es klar ist, dass auch ein Wenig nicht geht, dann strafen sie mich mit gekochtem Gemüse, drei Mal am Tage. Immer das gleiche.
Die Gespräche mit den Frauen, es sind zurzeit neun, ist immer sehr interessant. Sie erzählen von ihren Problemen, ihren Sorgen. Hauptproblem ist Geld, Problem Nummer zwei ist Alkohol, Problem Nummer drei, der Sohn, der Party will. Auch dies gibt es auf dem Lande und vor der Verführung haben sie Angst, Alkohol, Drogen, Spiel ... ähnliche Probleme wie in der Stadt aber auf einem einfacheren Niveau. Man vernimmt, dass sie ein gutes Verhältnis mit der Nachbarin haben und dass das soziale Leben im Dorf unter den Frauen gut ist. Das Verhältnis mit den Männern oft etwas angespannt. Frauen sind fleissig, machen ihre Arbeit auf dem Feld und auch im Haus. Sie sehen am Abend müde aus aber sie kichern und lachen oft wie Kinder.
Geschlafen wird in einem Haus neben der Schule im Dachgeschoss, es gibt ein Moskitonetz, dieses müssen wir uns zu dritt teilen. Das heisst, Schlafen auf dem Boden und relativ eng. Es gibt kein Bad, keine Dusche, kein WC ... zum Glück haben wir ein WC in der Schule so kann ich mich nachts, wenn es dringend ist mit dem Handy auf und davon machen. Ich kann bescheiden leben, aber Toilette ist einfach ein Muss und ohne habe ich ein Problem. Ein paar Tage Landleben sind unbequem aber sie lehren mich immer, dass man im Notfall auch mit sehr wenig überleben kann. Ich brauche jeweils vier Tage bis ich den Punkt überschritten habe, an dem es mir wieder gut geht.
Spät nachts, die Frauen räumen alles zusammen, versorgen es und verschwinden. Als Mann hat man es gut in diesen Ländern. Sie sind es gewohnt, dass diese nicht viel tun.

Niklaus Hürlimann:
Eindrücklich war es, eindrücklich vor allem, mit welchem Engagement die Leute vor Ort, alles Kambodschaner, die verschiedenen Projekte leiten, führen und ein grosse Begeisterung zeigen. So konnte ich sehen, wie an der Musikschule ein offener, toleranter und fröhlicher Geist herrscht. Ich durfte da ja ein kleines Klavierrezital spielen. Das wache Interesse und die Aufmerksamkeit waren enorm und liessen mich sprachlos werden.
Wir besuchten die Schulen in den Slums in Phnom Penh und die zwei Schulen auf dem Lande, etwa 3-4 Autofahrstunden von Phnom Penh entfernt, die wir selber errichtet haben oder eben im Bau sind und voll von uns getragen werden. Nehmen wir die Landschule in Aural: Dort werden über 300 Kinder aus der ganzen Umgebung unterrichtet. Für mich war dies ein Erlebnis. Die leuchtenden Kinderaugen beim Lernen, der Fleiss und die Aufmerksamkeit während des Unterrichtes und vor allem, alle Kinder schauten einem mit strahlenden, offenen und lachenden Kinderaugen an, ein Leuchten, das man nicht mehr vergessen kann. Ich habe selber lange Schule gegeben und bewundere daher so sehr, dieses Lernen Wollen dieser Kinder, diese Wissbegier und dieser Einsatz.
Das will ich weiterhin in mein Engagement für changing-lives mitnehmen, denn diese Kinder sind der Antrieb, dass es sich lohnt, weiter auszubilden, Chancen zu schaffen, Möglichkeiten zu bieten.

Hansruedi Keiser:
Vor fünf Jahren war ich das erste Mal in Kambodscha, allerdings zur Regenzeit. Alles war grün und die Landschaft bezaubernd. Anderseits hatte der Regen die Slums in einen undenkbar dreckigen Ort verwandelt.
Im Januar dieses Jahres, diesmal zur Trockenzeit, reiste ich wieder nach Kambodscha und erlebte die Gegend ganz anders. Die Slums sind immer noch da, die Armut ist nicht weniger geworden, aber dann dieses Strahlen der Kinder in den Slumschulen hat mich von Neuem stark berührt. Der Durst nach Wissen und Lernen beeindruckte mich sehr.
Wenn ich neben diesen Kindern sass, welche Neugier, welchen Lebenshunger, einfach berührend. Da dachte ich mir jeweils, dass wir mit changing-lives dieses Lachen, diesen Lerndrang massgeblich unterstützen können, was mir zeigte, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sich jeder Einsatz von mir und dem Verein lohnt.
Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch, dann ist neben der Schule in Aural auch diejenige in der Gegend von Chreav in Betrieb.