Bericht von Bruno Gschwind

17.07.2017 11:05

Liebe Freunde von changing-lives

Diesmal schreibe ich von Indien und nicht von Kambodscha. Ich mache hier keine Ferien sondern engagiere mich in Indien seit einiger Zeit im Umweltschutz. Indien ist ähnlich wie Kambodscha, doch Hygiene und Umweltschutz sind keine indischen Werte. Man lebt buchstäblich im Schmutz und sogar an den schönsten Plätzen in den Städten stinkt es von Fäkalien. Hier bin ich viel in Schulen und motiviere die jungen Menschen, mehr für ihr Land zu tun.

Ich war mitten in der Wüste Thar zwei Tage im Spital und ohne Begleitung und eigener Pflege ist ein Spitalaufenthalt nicht zu bewältigen. Selbst einen Tee zu bekommen ist nicht möglich. Es gibt auch keinen Ort, einen solchen zu kaufen. Auch ein Leintuch, Kissen etc. muss man selber organisieren. Selbstverständlich gibt es auf den WC’s kein Papier oder sonst etwas. Zuerst war ich in einem Raum mit ca. 40 Betten und die meisten Patienten waren Unfallopfer oder hatten irgend welche Verletzungen. Die Ärzte meistens sehr jung, etwas über 20 Jahre würde ich schätzen, sind wohl sehr freundlich, aber von Hygiene haben sie noch nie etwas gehört. Alleine zu reisen hat also seine Tücken. Ich war dann 8 Stunden unterwegs nahe zur pakistanischen Grenze und hatte verschiedene Schulen in Punjab zu besuchen und es war auch eine grössere Baumpflanzaktion geplant. Warum ich das mache? Botschaften von älteren Menschen aus andern Kulturen sind wirksamer und prägen sich besser ins Bewusstsein ein. Hier arbeite ich mit verschiedenen Umweltorganisationen zusammen und zur Zeit starte wir eine Initiative, um Umweltschutz als Fach in den Schulen zu integrieren.

Ob ich in Kambodscha tätig bin oder hier in Indien oder auch in Kibera, dem grössten Slum in Kenya, immer geht es mir um das Anliegen, den Leuten eine bessere Bildung zu ermöglichen. So engagiert chaning-lives im Moment zwei jüngere Lehrerausbildner von der Uni Bern in Kambodscha, um die Lehrer unserer Schulen besser auszubilden. Das Anliegen ist, das Schulsystem zu reformieren. Die klassische Ausbildung ist die, dass der Lehrer etwas vorspricht und die Schüler sprechen nach. Alles wird auswendig gelernt. Der Stoff wird so wohl eingeprägt aber es findet keine Auseinandersetzung statt. Kambodscha und viele andere Länder haben eine hirarchische Struktur. Das heisst, es gibt immer jemanden der sagt, was Sache ist. Zuhause der Vater, der älter Bruder, der Onkel, im Geschäft der Chef, das mittlere Kader etc. die Menschen lernen nie, selber Verantwortung zu übernehmen. Daher versuchen wir über die Lehrerausbildung neue Strukturen zu implementieren. Es soll mehr in Gruppen gearbeitet werden. Es soll mehr recherchiert werden. Anstelle von Auswendig lernen soll der Schulstoff selbständig erarbeitet werden. Die Lehrer sollen neue Werkzeuge bekommen, wie sie den Unterricht gestalten können. Fächer wie Umweltschutz, Politik, Philosophie sollen alltäglich werden. Es soll diskutiert werden warum etwas nicht funktioniert. Das Denken und nicht das Auswendig lernen soll gefördert werden. In den asiatischen Ländern wird auch viel zu jung und zwar nur durch den Gesellschaftsdruck, geheiratet. Die jungen Menschen haben keine Chance, sich zuerst zu bilden. Sie müssen bereits mit 20 Jahren eine Familie versorgen und auf diese Art und Weise gibt es einfach keinen Fortschritt, keine wirkliche Entwicklung.

So kämpfe ich auf allen Seiten und Fronten: Filme über Hygiene, Vorträge, Schulbau, Zahnärzte organisieren, vitaminreiches Frühstück, ect. Es sind einfach Erfordernisse und wie immer auch nur einen Tropfen auf den heissen Stein, etwas im Kleinen zu verändern. Viele Leute beneiden meine Reisetätigkeiten und denken, wie spannend mein Leben ist. In der Realität muss ich viel essen vor dem es mich buchstäblich ekelt, viele Risiken eingehen und oft am Boden schlafen und manchmal zu dritt unter einem Mosiktonetz. Ich denke dann immer, wie schön es zu Hause wäre, wenn ich immer noch in der Nacht bei rund 40° vor mich hin koche. Schön und Angenehm stelle ich mir anders vor. Meine Reisen sind mühsam und anstrengend und mit vielen gesundheitlichen Risiken verbunden. Ich schwanke oft und hinterfrage mein Tun. Wieviel zu geben ist gut, wo sind die Grenzen.  Generell bin ich ein Gegner von Gratisdienstleistungen. Ausnahmen bilden Kinder, Alte und Kranke. Alle anderen Menschen, so meine Ansicht, sollen selber für sich schauen. Resp. Bildung ja, jedoch nicht gratis. Sie sollen mindestens Zeit zurück geben müssen.

Über die Organisation KYC, eine Organisation von «changing-lives» haben wir die zweite Schule auf dem Land gebaut. Dank einem Einzelspender aus der Schweiz, war dies möglich. Allerdings eine Schule mit über 300 Studenten zu unterhalten braucht wieder zusätzlich Geld und Geld ist immer ein Mangelprodukt. Zurzeit kann «Changing-lives» nur funktionieren, weil der Vorstand die monatlichen Kosten selber übernimmt. Es ist nicht in meiner Natur zu jammern aber ohne Geld geht einfach nichts. Veränderungen sind nur möglich, wenn die Leute gebildet werden. Meiner Meinung nach ist Bildung noch viel wichtiger als das Essen. Bildung gibt die Chance zur Veränderung. Ohne Bildung passiert in diesen Ländern nichts und Bildung wird durch den Staat nicht gefördert da kein Interesse, denn ungebildete Leute lassen sich sehr einfach auch versklaven und regieren.

Wenn ich von mir spreche, dann meine ich «changing-lives». Es ist die Organisation, welche am Fundament rüttelt und wenn auch im Kleinen, doch wo immer bei den Wurzeln beginnen möchte um Veränderungen herbei zu führen. «changing-lives» kann ohne Ihre Mithilfe nicht funktionieren und so bitte ich Sie von ganzem Herzen, den Ideen von «changing-lives» eine Chance zu geben. Ich glaube mit all unserem Tun haben wir bewiesen, dass wir sehr aktiv sind und was noch viel wichtiger ist, wir konnten vielen Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. Ein besseres Leben heisst immer, ein Leben in Harmonie indem sich die Menschen gut fühlen und glücklich sind. Viele jungen Menschen von der Musikschule sind heute selber Musiklehrer und können sich den Unterhalt verdienen. Viele junge Menschen von den Schulen konnten dank der speziellen Ausbildung eine Stelle finden. Vielen jungen Menschen bezahlen wir das Studium und geben ihnen eine echte Chance im Leben. Die Erfolgsquote ist enorm hoch und bestätigt immer wieder, dass wir auf dem richtigen Wege sind. Wie ihr wisst ist «changing-lives» vermutlich die einzige Organisation, die 0 Franken Nebenkosten hat. Das heisst jeder gespendete Franken wird zu 100% in das Projekt investiert. Alle Kosten wie Reisen, Büro, Versand, Bank etc. werden durch den Vorstand getragen und finanziert.

Daher bitte ich Euch, uns nicht zu vergessen und bei den Zahlungen Ende Monat uns zu berücksichten. Wir sind sehr dringend auf Geld angewiesen. Ganz herzlichen Dank!

Bruno Gschwind